Zusammen für einen guten Start in die Schule

Rund 800 pädagogische Fachkräfte aus Fröbel-Kitas aus NRW diskutierten beim Fröbel-Fachtag auf der didacta in Köln, wie Kindern der Übergang in die Schule gut gelingt. Wissenschaft, Praxis und Politik setzten dabei gemeinsame Impulse für eine starke Bildungskette vom ersten Kita-Tag an.

Verena Schäffer, Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration NRW

Wie gelingt Kindern ein guter Start in die Schule – jenseits von Sprachtests und kurzfristigen Förderprogrammen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Fröbel-Fachtags „Mehr als Vorschule: Zusammen für einen guten Start“ auf der Bildungsmesse didacta in Köln. Rund 800 pädagogische Fachkräfte von Fröbel kamen im Congress-Centrum der Koelnmesse zusammen, um über gelingende Bildungsübergänge und die Bedeutung früher Bildung zu diskutieren.

Mit der Politik im Dialog

Zu Gast war auch die nordrhein-westfälische Familienministerin Verena Schäffer, die sich in einem politischen Dialog mit Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker zu aktuellen bildungspolitischen Entwicklungen äußerte – darunter die Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) sowie die geplante Einführung sogenannter „ABC-Klassen“ an Grundschulen.

„Die rund 800 pädagogischen Fachkräfte, die heute hier zusammengekommen sind, zeigen, mit was für einem enormen Engagement in den Kitas unseres Landes gearbeitet wird. Sie begleiten Kinder jeden Tag mit Fachwissen, Geduld und Herz auf ihrem Bildungsweg. Gemeinsam mit den Familien legen sie damit ein starkes Fundament für die Entwicklung und den weiteren Bildungsweg der Kinder bis zum Schuleintritt. Diese Beziehungen und die tägliche Arbeit in den Einrichtungen sind von unschätzbarem Wert“, sagte Ministerin Schäffer.

Mit Blick auf aktuelle bildungspolitische Debatten betonte die Ministerin die Bedeutung einer starken Bildungskette – vom frühen Kindesalter an bis zur Schule: „Mir ist wichtig, dass wir die Bildungskette vom ersten Tag in der Kita oder Kindertagespflege an bis zur Grundschule gemeinsam stärken. Alltagsintegrierte Sprachbildung in den Kitas spielt dabei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig müssen wir schauen, wie zusätzliche Unterstützungsangebote beim Übergang in die Schule sinnvoll ergänzt werden können. Entscheidend ist, dass alle Systeme gut zusammenarbeiten und Kinder bestmöglich begleitet werden.“

Impulse aus der Wissenschaft

Wichtige Impulse kamen aus Wissenschaft und Bildungsforschung. Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Renate Zimmer von der Universität Osnabrück machte deutlich, dass Sprache vor allem in Beziehungen und im gemeinsamen Handeln entsteht. Kinder entwickelten ihre sprachlichen Fähigkeiten besonders dann, wenn sie in bedeutsame Situationen eingebunden seien, die ihre Interessen berühren und zum Austausch einladen. Sprachbildung, so ihr zentrales Anliegen, müsse deshalb kontinuierlich im Alltag stattfinden und dürfe nicht auf einzelne Förderformate reduziert werden.

Michael Fritz, Gründer und Geschäftsführer der Initiative Zukunftsbildung, erinnerte daran, dass Bildungsbiografien nicht an institutionellen Grenzen enden. Ob Kita oder Grundschule – es gehe immer um dasselbe Kind und einen kontinuierlichen Lernprozess. Entscheidend sei, dass Kinder Selbstwirksamkeit erleben und ihre Lernwege mitgestalten können. Gerade im 21. Jahrhundert brauche Bildung Kompetenzen wie Selbstregulation, sozial-emotionale Fähigkeiten und die Fähigkeit, mit Veränderungen konstruktiv umzugehen.

Prof. Dr. Katrin Velten von der Alice Salomon Hochschule Berlin richtete den Blick besonders auf die Perspektive der Kinder. Für durchgängige Bildung brauche es starke Kinder, die als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt ernst genommen werden. Übergänge gelängen dann gut, wenn Kinder beteiligt werden, ihre Beziehungen zu Freundinnen und Freunden berücksichtigt werden und Familien frühzeitig einbezogen sind. Eine Kultur des Dialogs zwischen Kindern, Familien, Fachkräften und Schulen sei dafür entscheidend.

Gemeinsame Verantwortung für gelingende Übergänge

Der Fröbel-Fachtag machte deutlich: Ein gelingender Übergang in die Schule entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch verlässliche Beziehungen, gute Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen und eine konsequente Orientierung an den Bedürfnissen der Kinder.

„Kitas können im Bereich der Chancengerechtigkeit wirklich etwas verändern“, betonte Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker. „Das beweisen die über 800 pädagogischen Fachkräfte, die heute hier sind, jeden Tag aufs Neue. Bei Fröbel gehen wir dabei einen anderen Weg als bisher üblich: Wir haben Sprachbildung grundlegend neu gedacht – datengestützt, individuell und konsequent auf jedes Kind ausgerichtet. Unser Ziel ist klar: Jedes Kind soll den Übergang in die Grundschule gut meistern und dort emotional wie sprachlich voll teilhaben können.“

Bilder: Fröbel e. V./Boris Breuer